An alle Mamas, die ihr Kind nicht mehr stillen wollen

Ich bin ein Stillkind. Ganze drei Jahre hat meine Mama mir ihren Busen gegeben. Und ich habe nicht Nein gesagt. Ganz im Gegenteil. Ich fand es toll. Jede Nacht bin ich zufrieden an ihrem Busen eingeschlafen. Mama's Brust war für mich das Beste auf der Welt. Zugegeben, ich war ein richtiges Mamakind. 

Vor sechs Monaten bin ich selbst Mama geworden. Für mich war klar: Ich will meine Tochter stillen. Nach anfänglichen Problemen wie wunde Brustwarzen, zu wenig und dann wieder zu viel Milch fanden meine Tochter und ich immer mehr unseren Rhythmus. Seitdem habe ich keine einzige Nacht durchgeschlafen. 

Obwohl ich ja selbst so lange gestillt wurde, hatte ich vor kurzem die Anwandlung, dass ich langsam abstillen möchte. Weil ich wieder freier leben will, weil ich nachts endlich mal durchschlafen möchte, weil es - fast - alle so machen. Eigentlich ist nur die zweite Begründung wirklich berechtigt. Also machte ich mich schlau, welcher Muttermilchersatz der Beste ist. 

Säuglingspulver ist mit Schadstoff 3-MCPD-Fettsäureester belastet 

Ich konnte nicht glauben, dass es tatsächlich keine Säuglingsmilch gibt, die von Ökotest (2011) eine bessere Note als „befriedigend" erhält. Denn alle Pulver sind hoch mit dem neuen Schadstoff 3-MCPD-Fettsäureester belastet. „Diese Substanzen entstehen bei der Raffination von pflanzlichen Fetten und Ölen. Freies 3-MCPD kann zu Veränderungen der Niere sowie in hohen Dosen zur Bildung gutartiger Tumore führen", so Ökotest. 

Früher schnitt die industriell hergestellte Säuglingsmilch oft mit „sehr gut" ab. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Deshalb rät Ökotest auch, komplett auf das Pulver zu verzichten und weiter zu stillen. Am besten mindestens ein Jahr, so erklärte mir mein Kinderarzt schließlich. Dann können Kinder zum einen am Familientisch mit essen und zum anderen auch Kuhmilch problemlos zu sich nehmen. 

Doch wer stillt heute noch ein Jahr oder länger? In meinem Freundeskreis kenne ich lediglich zwei Mütter. Viele stillen mit sechs Monaten ab. Langzeitstillen ist Out. Und Mamas, die ihr ein-, zwei- oder gar dreijähriges Kind noch an ihren Busen lassen, gelten längst als Glucken. Die können nicht loslassen. Die wollen nicht, dass ihr Kind selbstständig wird. 

Stillen ist nicht nur Nahrungsaufnahme 

Das Gegenteil ist der Fall. Stillen ist nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern steht vor allem für Nähe, Körperkontakt, Liebe, Zuneigung und Sicherheit. Kinder, die sich sicher fühlen, werden starke, selbstbewusste und selbstständige Menschen. 

Ich war ein Mamakind. Hing maßgeblich an Mama's Rockzipfel. „Die wird nie selbstständig", haben damals alle gesagt. Mit 18 habe ich dann meinen Rucksack gepackt und bin alleine durch Australien und Neuseeland gereist. Und habe meine Mama schrecklich vermisst. Aber abgehalten hat mich das nicht. 

Heute bin ich selbst Mama und fühle mich selbstständiger denn je. Und die tiefe Verbindung zu meiner Mutter hat sicher einen großen Teil dazu beigetragen. 

Nach ein paar ruhigeren Nächten hatte ich mein Schlafpensum wieder aufgefüllt und meine Idee, bald abzustillen, erschien mir völlig absurd. Warum? Es ist doch nur ein Jahr. Und wenn ich wirklich mal eine Pause brauche, dann pumpe ich eben ab. Ich weiß, dass das Stillen nicht immer einfach ist und es bei manchen Frauen nicht klappt. Nur weil man sein Kind mit Milchpulver ernährt, ist man keine schlechte Mutter. Und die Nähe und Sicherheit kann man seinem Kind auch auf andere Weise geben. Aber wenn es irgendwie möglich ist, seinem Kind dieses eine Jahr zu schenken, dann macht es, liebe Mamas. 

Ich will es versuchen.